Advanced Intercompany Sales und Advanced Intercompany Stock Transfer in SAP S/4HANA

Wie Unternehmen ihre Intercompany-Prozesse integrieren, transparenter gestalten und vorhandene Abläufe gezielt modernisieren können.

Internationale Unternehmensstrukturen bringen besondere Anforderungen an Vertrieb, Logistik, Einkauf und Finance mit sich. Ein Kunde bestellt bei einer Vertriebsgesellschaft, die Ware wird jedoch direkt aus dem Werk einer anderen Konzerngesellschaft geliefert. Oder Bestände werden zwischen Werken unterschiedlicher Gesellschaften transferiert.

Solche Intercompany-Prozesse sind seit Jahren etabliert. Historisch gewachsene Abläufe, unterschiedliche Verantwortlichkeiten und manuelle Abstimmungen können jedoch den Aufwand erhöhen. SAP S/4HANA bietet mit Advanced Intercompany Sales und Advanced Intercompany Stock Transfer stärker integrierte Prozessvarianten. Die entscheidende Frage ist nicht nur, wie sie funktionieren, sondern welchen Mehrwert sie im jeweiligen Unternehmen bieten.

Advanced Intercompany Sales: Ein Kundenauftrag, mehrere Gesellschaften

Beim Advanced Intercompany Sales nimmt die verkaufende Gesellschaft den Kundenauftrag entgegen, während ein Werk einer anderen Gesellschaft die Ware direkt an den externen Kunden liefert:

  • Die Vertriebsgesellschaft legt den Kundenauftrag an.
  • Das System erzeugt die zugehörige Intercompany-Bestellung in der verkaufenden Gesellschaft und einen korrespondierenden Intercompany-Kundenauftrag in der liefernden Gesellschaft.
  • Das Lieferwerk versendet die Ware direkt an den externen Kunden.
  • Die liefernde Gesellschaft rechnet intern gegenüber der verkaufenden Gesellschaft ab; die verkaufende Gesellschaft stellt die Rechnung an den externen Kunden.

So werden Vertrieb, Einkauf, Logistik und Finance entlang einer zusammenhängenden Beleg- und Prozesskette miteinander verbunden. Gegenüber klassischen Intercompany-Abläufen entsteht insbesondere durch die zusätzliche integrierte Beschaffungs- und Verkaufsabwicklung mehr Transparenz.

Advanced Intercompany Stock Transfer: Waren zwischen Gesellschaften bewegen

Beim Advanced Intercompany Stock Transfer transferiert eine Gesellschaft Waren aus einem liefernden Werk an ein empfangendes Werk einer anderen Gesellschaft. Ausgangspunkt ist in der Regel die Intercompany-Bestellung der empfangenden Gesellschaft.

Darauf aufbauend wird in der liefernden Gesellschaft ein Intercompany-Kundenauftrag im Hintergrund angelegt. Der Folgeprozess umfasst unter anderem Auslieferung, Warenbewegungen, Wareneingang und die Intercompany-Abrechnung. Die interne Kundenrechnung kann dabei die automatische Buchung der korrespondierenden Lieferantenrechnung in der empfangenden Gesellschaft auslösen.

Der Nutzen liegt in der abgestimmten Abbildung von Waren- und Wertfluss zwischen beiden Gesellschaften – statt einer Betrachtung einzelner, voneinander getrennter Prozessschritte.

Zwei Szenarien – ein gemeinsames Integrationsprinzip

KriteriumAdvanced Intercompany SalesAdvanced Intercompany Stock Transfer
AusgangspunktExterner KundenauftragIntercompany-Bestellung / Bestandsbedarf
WarenbewegungLieferwerk → externer KundeLieferwerk → empfangendes Werk
Externer KundeJaNein, interner Warenbedarf
SchwerpunktAuftragsabwicklung über GesellschaftsgrenzenBestandsumlagerung zwischen Gesellschaften

Bewerteter Transitbestand: Auch der Wertfluss zählt

Eine wichtige Besonderheit der Advanced-Intercompany-Prozesse ist die Verwendung von bewerteten Beständen im Transit (Valuated Stock in Transit). Damit lässt sich der Wechsel der wirtschaftlichen Verfügungsmacht zwischen den beteiligten Gesellschaften und – im Vertriebsszenario – zum externen Kunden anhand definierter Übergabezeitpunkte im System abbilden.

So werden nicht nur physische Warenbewegungen, sondern auch die damit verbundenen Bestandswerte und Buchungen nachvollziehbar. Wie der Übergang konkret abzubilden ist, hängt vom jeweiligen Szenario und der Prozessgestaltung ab.

Value Chain Monitoring: Den Gesamtprozess im Blick

Mit der SAP-Fiori-App „Monitor Value Chains“ (F4854) lassen sich zusammengehörige Belege und Prozessschritte entlang der Wertschöpfungskette verfolgen. Dazu gehören beispielsweise Kundenaufträge, Intercompany-Bestellungen, Lieferungen, Warenbewegungen und Abrechnungsbelege.

Die integrierte Sicht erleichtert die Prozessüberwachung und die Fehleranalyse. Gerade bei vielen Gesellschaften und Werken kann dies Abstimmungen zwischen Fachbereichen vereinfachen und den Aufwand bei der Ursachenklärung reduzieren.

Wann lohnt sich die Umstellung vom klassischen Intercompany-Prozess?

Nicht jedes Unternehmen profitiert automatisch von einem Umstieg. Die Advanced-Varianten sind insbesondere dort interessant, wo Prozessbrüche, manuelle Tätigkeiten, komplexe Belegketten oder fehlende Transparenz den Alltag prägen. Drei Gesichtspunkte stehen bei der Bewertung im Vordergrund:

  • Prozessintegration: Wie weit lassen sich die Abläufe zwischen Vertrieb, Einkauf, Logistik und Finance systemgestützt verbinden?
  • Transparenz: Wie einfach lassen sich Belege, Prozessstatus und mögliche Fehler über Gesellschaftsgrenzen hinweg nachvollziehen?
  • Finance-Integration: Wie passend werden Bestandsbewertung und wirtschaftliche Übergänge zwischen den Gesellschaften abgebildet?

Ebenso wichtig sind die Grenzen: Bestehende Prozessvarianten, Systemarchitektur, Release- und Funktionsumfang, Stammdaten sowie organisatorische und steuerliche Anforderungen können eine Umstellung beeinflussen. Der bestehende klassische Prozess ist daher stets eine sinnvolle Vergleichsbasis.

Was Unternehmen vor der Einführung prüfen sollten

  • Wie funktionieren die heutigen Intercompany-Prozesse, und wo entstehen Aufwand oder Medienbrüche?
  • Welche Gesellschaften, Verkaufsorganisationen und Werke sind beteiligt?
  • Welche organisatorischen Voraussetzungen, Stammdaten und Integrationsschritte sind erforderlich?
  • Welche Funktionen unterstützt der konkret eingesetzte SAP-S/4HANA-Release?
  • Wie sind Bestandsbewertung, Buchungslogik und Übergabezeitpunkte zu gestalten?
  • Welche umsatzsteuerlichen Auswirkungen haben Warenweg, steuerliches Abgangsland und beteiligte Gesellschaften?

Gerade bei grenzüberschreitenden Lieferungen müssen die steuerlichen Anforderungen gesondert beurteilt werden. Aus der technischen Integration ergibt sich nicht automatisch die richtige umsatzsteuerliche Behandlung.

Mit GOpus den passenden Intercompany-Prozess gestalten

Advanced Intercompany Sales und Advanced Intercompany Stock Transfer eröffnen neue Möglichkeiten für stärker integrierte Waren- und Wertflüsse. Ob ein Umstieg sinnvoll ist, lässt sich aber nur anhand der konkreten Unternehmensstruktur und der bestehenden Prozesse entscheiden.

GOpus unterstützt Unternehmen dabei, Ist-Prozesse aufzunehmen, klassische und Advanced-Varianten gegenüberzustellen, die Einsatzvoraussetzungen zu prüfen und eine passende Lösung in SAP S/4HANA zu konzipieren und umzusetzen. Unser Fokus liegt dabei auf dem durchgängigen Zusammenspiel von Vertrieb, Einkauf, Logistik und Finance.

Sie möchten wissen, welcher Ansatz zu Ihrem Unternehmen passt? Sprechen Sie uns an – wir analysieren Ihre Ausgangssituation und zeigen geeignete Möglichkeiten zur Weiterentwicklung auf.

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